Nie mehr Essen aus Langeweile!
Nie mehr Essen aus Langeweile!

Stress im Job, alltägliches Familienchaos oder grad einfach nichts zu tun? Jetzt muss ein Seelentröster her! Bei Stress, Frust und auch bei Langeweile geben wir der plötzlichen Lust auf Leckereien meist recht schnell nach. Dieses Essverhalten wird allerdings von unseren Emotionen gesteuert, nicht von den eigentlichen Bedürfnissen des Körpers. Viele unserer ungesunden Essgewohnheiten haben sich dabei über Jahre hinweg eingeschlichen.


Jeder von uns hat ein angeborenes Hunger- und Sättigungsgefühl, und wir müssen wieder lernen, dieses zu erkennen und vor allem, auf dieses zu hören. Wer seine persönlichen „Essfallen“ kennt, kann diese zukünftig umgehen. Unsere Tipps helfen dabei, diese plötzlich auftretenden Hunger- Gelüste zu verstehen und dadurch (hoffentlich) alte Gewohnheiten abzulegen!

Essen und Emotionen

Im Laufe eines sich dahinschleppenden Arbeitstages oder eines langweiligen Fernsehabends überkommt es uns manchmal: Das Gefühl, jetzt unbedingt etwas essen zu wollen. Und dann haben selbst die Willensstärksten unter uns meist keine Chance. Schon führt der Weg in die Küche, um nach einem Schokoriegel oder ein paar Gummibärchen zu suchen. Und wo man grad da ist, kann man ja auch mal in den Kühlschrank schauen, was es da so gibt ...


Unsere „Nahrungsaufnahme“ sollte eigentlich der Versorgung des Körpers mit lebenswichtigen Nährstoffen und Energie dienen.
Wir haben uns jedoch an das jederzeit und überall verfügbare, vor allem fettreiche und zuckerhaltige Essen gewöhnt. Dadurch ist unser gesundes und angeborenes Essverhalten häufig gestört. Essen dient uns auch als Trostpflaster oder als Ventil: Wir essen etwas, weil wir gerade Lust darauf haben, uns schlecht fühlen oder auch einfach aus Langeweile. Durch dieses „emotionale Essen“ nehmen wir meist mehr Nahrung und somit mehr Kalorien zu uns, als unser Körper braucht. Dies führt zu überflüssigen Pfunden und somit meist zu noch mehr Frust, welchen wir wiederum mit tröstenden Leckereien wie Schokolade bekämpfen. Ein echter Teufelskreislauf ist entstanden. Sobald wir aber die eigentlichen, häufig emotionalen Auslöser unseres Hungers erkannt haben, können wir aktiv etwas dagegen tun: Nämlich das momentane Bedürfnis auf die richtige Art befriedigen.

Bedürfnisse erkennen

Langeweile bedeutet nicht immer "nichts zu tun haben". Es kann auch heißen "Ich weiß grad nicht, was ich tun soll". Und während man so darüber nachdenkt, was man machen könnte, beschäftigt man sich ganz nebenbei mit Essen und Kauen ... In vielen Fällen ist es kein Hungergefühl, welches wir verspüren, sondern lediglich das Bedürfnis, etwas essen zu wollen. Dies befriedigt uns vielleicht kurzfristig, leider reagieren wir damit aber häufig auf den falschen Auslöser. Wir kompensieren damit etwas anderes, und so wird Essen zu einer Ersatzbefriedigung. Obwohl wir vielleicht eine liebevolle Umarmung oder ein intensives Gespräch nötiger hätten, „belohnen“ wir uns stattdessen mit Essen. Daher ist es wichtig, auch den „seelischen Hunger“ zu erkennen und zu verstehen. Dieser lässt sich manchmal schon durch Kuscheln mit dem Partner oder ein geselliges Beisammensein mit Freunden befriedigen. Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft, um sich den Kopf durchpusten zu lassen und für einen Moment vom stressigen Alltag abzuschalten, ist definitiv wirkungsvoller (und gesünder) als eine Tafel Schokolade.

Nur Appetit oder richtig Hunger?

Wir riechen etwas Leckeres oder sehen jemanden etwas essen – und plötzlich gelüstet es uns ebenfalls nach einem bestimmten Lebensmittel oder Geschmack. Appetit lässt sich hauptsächlich von äußeren Einflüssen leiten, unsere Sinne werden stimuliert, und der Appetit wird angeregt. Der Unterschied zum Hunger besteht darin, dass der Körper eigentlich gerade keine Nahrung benötigt, um seine Funktionen aufrechtzuerhalten. Appetit muss man daher nicht unbedingt befriedigen. Hier sollte man genau in sich hineinhören und sich fragen: Warum will ich das jetzt gerade essen? In welcher Stimmung befinde ich mich? Habe ich wirklich richtigen Hunger?

Hunger ist ein deutliches Anzeichen des Körpers bei Nahrungs- oder Energiemangel. Er entsteht, wenn die Energiespeicher des Körpers aufgebraucht sind, z.B. nach körperlicher Betätigung oder einer längeren Essenspause. Der Körper verlangt nun deutlich nach Nahrung: Der Magen knurrt und zieht sich zusammen, auch der Blutzuckerspiegel fällt ab. Unser Gehirn zeigt uns diese Energieunterversorgung an, indem es bestimmte Hungerhormone ausschüttet, auf die wir dann reagieren.

Power durch richtige Ernährung

Wenn uns das Gehirn „Hunger! Essen! Sofort!“ meldet, greifen wir gern schnell zu Schokolade und Co. Zucker liefert dem Gehirn schnell verwertbare Energie – zumindest sind die grauen Zellen dann erst einmal befriedigt. Allerdings hält dieser Energieschub nicht lange an. Unser Körper benötigt daher gesunde, vollwertige Lebensmittel, die unserem Körper ausreichend und über einen längeren Zeitraum Energie geben. Müsli, Vollkornbrot, Kartoffeln, Vollkornnudeln oder Naturreis wirken durch ihre hochwertigen Ballaststoffe länger sättigend. Zudem benötigen wir viel Gemüse und Obst für die lebenswichtigen Vitamine und Mineralstoffe. Mageres Fleisch, Fisch sowie fettarme Milchprodukte wie Käse, Quark und Joghurt liefern uns dazu wichtige Eiweiße. Bei drei regelmäßigen und ausgewogenen Mahlzeiten morgens, mittags und abends werden dem Körper so durchgehend die benötigte Energie und alle wichtigen Nährstoffe geliefert. Der Blutzuckerspiegel bleibt konstant und plötzliche Heißhunger-Attacken treten gar nicht erst auf.

Geschickte Ablenkungsmanöver

Theoretisch wissen wir nun, warum uns immer mal wieder Gelüste aufs Essen überfallen, die eigentlich nichts mit Hunger zu tun haben. Und auch, wie man sie vermeiden kann. Die praktische Umsetzung gestaltet sich da schon schwieriger, denn alte Gewohnheiten lassen sich meist nur mühsam ablegen. Wenn uns der Heißhunger überkommt, sollten wir daher am besten gleich aktiv für Ablenkung sorgen. Hilfreich kann dabei eine persönliche Liste von Tätigkeiten sein, die man immer dann, wenn Langeweile droht, in Angriff nehmen kann: einen Spaziergang machen, Fotos sortieren, Bügeln, Pflanzen umtopfen, Kleiderschrank ausmisten, zur Lieblingsmusik tanzen, eine alte Schulfreundin anrufen, eine Runde Fahrradfahren etc. Ausreichend Bewegung von etwa einer halben Stunde pro Tag ist nicht nur gut für das Wohlfühlgewicht: Durch sportliche Aktivitäten fördern und fordern wir Körper und Geist, stärken unsere Gesundheit, heben unsere Laune und bleiben fit für den Alltag. Ein kleiner Hunger-Ablenk-Trick: Wenn der Appetit kommt, erst einmal ein großes Glas Mineralwasser oder ungesüßten Tee trinken. Flüssigkeit füllt den Magen und hilft bei einem leichten Hungergefühl. Ansonsten hilft auch Zähneputzen oder Kaugummikauen: Durch den frischen Mentholgeschmack wird der spontane Heißhunger auf Süßes neutralisiert. Übrigens: Die kleinen Appetit-Attacken dauern meistens nur einige Minuten, die es zu überbrücken gilt!

Extra: Buchtipps

Dr. Penny Kendall-Reed “Heißhunger go home!“
Goldmann Verlag 2010, ISBN 978-3442171231, Taschenbuch 8,95 Euro

Astrid Schobert „Nie mehr Stress-Esser“
Schlütersche 2011, ISBN 978-3899935998, Broschiert 16,95 Euro

Marion Grillparzer „Hey Heißhunger, ab jetzt bin ich der Boss!“
Gräfe & Unzer Verlag 2011, ISBN 978-3833820571, Gebunden 19,99 Euro

Karen R. Koenig „Warum die nettesten Frauen am schnellsten dick werden“
Goldmann Verlag 2010, ISBN 978-3442171736, Taschenbuch 8,95 Euro